Drogen: Der langsame Sprung von der Brücke

Eigentlich ein schöner Titel, den sich Demian Lienhard da für seinen Roman ausgedacht hat: Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat. Da fängt das innere Kino gleich an, Szenen an die Gehirnleinwand zu werfen. Mütter warnen ja gerne, meist ohne Erfolg, es sei denn jenem, am Ende Recht zu behalten. In Demian Lienhards Buch soll die Mutter Recht behalten. Allerdings wird sie an dieser Tatsache wenig Freude haben. 

Und jetzt kommt es und ich sage es ungern: Durch dieses Buch habe ich mich von Seite zu Seite gequält, zumindest durch die erste Hälfte. Danach hatte ich mich wohl an den (gewöhnungsbedürftigen) Erzählstil gewöhnt.

Doch zuerst zu der Story: Wir schreiben die Achtziger- und ersten Neunzigerjahre. Teenager Alba lebt bei ihrer Mutter, die sie nicht versteht und oft kritisiert. Durch Albas Wohngemeinde geht gerade eine Selbstmordwelle; Schüler springen von der Brücke. Albas geliebter Stiefvater hat sich das Leben genommen, ihre Schwester ist auch tot, ein Vater kommt nicht vor. Das ist bestimmt für den abgestumpftesten Teenie zuviel des Guten, und so wundert es nicht, wenn Alba einen Selbstmord plant, der allerdings nicht gelingt. Doch damit sind wir erst am Anfang der Geschichte. Alba lernt René kennen, einen Goldküstenjungen. Auch seine Schwester ist gestorben. René ist, was man heute wohlstandsverwahrlost nennen würde. Bei beiden jungen Menschen, so liest sich jedenfalls die Story, haben die Eltern versagt. Aber sowas von! 

Was anfänglich nach einer schönen Jugendliebe aussieht, ist der Beginn einer von Toten gesäumten Abwärtsspirale, die ihren Höhepunkt auf dem Zürcher Platzspitz und auf dem Letten findet. 

Es scheint, dass das Thema der damaligen offenen Drogenszene Zürich und die tragischen Folgen der damit verbundenen politischen Entscheide gerade aufgearbeitet wird. Kürzlich ist der Film „Platzspitzbaby“ in die Kinos gekommen, der gleichfalls auf einem Buch basiert. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Drogen weiterhin aktuell ist. Hilfestellung, wie der momentane Missbrauch von Kokain und synthetischer Drogen bekämpft werden kann, bietet Lienhards Buch nicht. Seine Geschichte möchte wohl vor allem aufzeigen, wie das damals war, für jene die mittendrin im Heroinkonsum steckten und welche Gründe sie dorthin führten. 

Damit wären wir wieder bei Alba, einem verzweifelten, depressionsanfälligen Menschen, der nichts mit seinem Leben anzufangen weiss.  Klug ist sie, oft genug auch altklug, manchmal, und das ist beglückend zu lesen, mit frappanter Phantasie gesegnet. Sie reflektiert die Menschen und ihre Umwelt. Es sind meist freudlose, oft sarkastisch-traurige Beobachtungen, welche die sensible Alba anstellt. Aber, und das widerspricht der ihr zugeschriebenen Gescheitheit, die Sprache, die Lienhard für die Erzählstimme (also jener von Alba) wählt, scheint nicht zu ihr zu passen: zu flapsig, zu viele Gemeinplätze, zu sehr den Menschen aufs Maul geschaut, zu sehr einer Jugendsprache nachempfunden, die für mich nicht authentisch rüberkommt. Damit kann ich zur Not leben, aber beim Lesen bin ich ständig über die vielen seltsam verdrehten Sätze gestolpert. Oft als wäre eine Mundarterzählung Wort um Wort ins Hochdeutsche übertragen worden. Auch erschliesst sich mir nicht, weshalb Alba, die zur Uni geht und die Hochsprache sicher beherrscht, auf eine so kindlich-naive Art erzählen sollte. 

Oder da ist die Figur Gerold, der jedem seiner Sätze ein „ja“ anhängt. Spätestens nach dem zehnten „ja“ habe ich mich gefragt, was sich der Autor dabei gedacht hat. Vielleicht weil die Leser sonst nicht merken würden, dass Gerold seine Sätze am liebsten mit einem „ja“ beendet? 

Ganz ohne Spass: Wo zu dick aufgetragen wird, hört bei mir der Spass auf. Dieses Buch scheint mir ein Lehrbeispiel dafür zu sein, dass das Leben selber soviel Unglück über einem Einzelnen ausschütten kann, dass man unweigerlich ausrufen möchte: „Das hält doch keine Menschenseele aus.“ Geschichten aber sollten genau das nicht: Hier heisst es sich beschränken, will man nicht den Kommentar hören: „Unrealistisch.“ 

Und so ein Kommentar im Zusammenhang mit den Unglückseligen vom Platzspitz wäre nun wirklich fehl am Platz.

Titel: Ich bin die, vor der mich meine Mutter gewarnt hat, Roman, gebunden, 378 Seiten

Autor: Demian Lienhard

Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt, http://www.fva.de

ISBN 978-3-627-00260-2, FR. 33.90/EURO 28.–

Kurzbewertung: Albas Weg ins Erwachsenenleben ist gesäumt von Todesfällen, von Drogensucht, Verrat und einigem mehr, was die Welt an Schrecknissen aufbieten kann. Jetzt wird alles gut, denkt Alba auf der zweitletzten Seite des Buches. Selber schuld, wer das glaubt. Tragik in jedem Kapitel, eine teilweise nervige Sprache, gepaart mit originell beschriebenen Beobachtungen und treffenden Szenenbeschreibungen.

Für wen: Eine lesende Freundin, auf deren Büchergeschmack ich mich jederzeit gerne verlasse, fand diesen Roman toll. Demnach: Für alle, die anderer Meinung sind als ich. 

Menschen, die vorüberschwimmen

Nein, mit ausgeflippten Delphinen oder einem Angriff von Meeresbewohnern auf die zerstörerische Menschheit hat der Debüt-Roman Böse Delphine von Julia Kohli nichts zu tun. Delphine kommen eigentlich nur in einem Traum der 27jährigen Halina vor, einer Geschichtsstudentin aus Zürich, die irgendwie durch ihren Alltag stolpert, mit nichts und keinem richtig zufrieden ist und überhaupt in ihrem Leben nicht zu Hause scheint.

Halina schreibt mit wenig Enthusiasmus an ihrer Diplomarbeit über einen russischen Prinzen. Nebenher steigt sie in die Niederungen gewöhnlicher Brotarbeit. Sie jobt an einem Flughafenkiosk. Hier trifft sie auf gewöhnliche Büezer. Diese und andere Menschen bestaunt sie, als wären es Fische im Aquarium. Abends sitzt Halina allein in ihrer Wohnung und denkt über ihr nicht stattfindendes Leben statt. Sarkastisch, weil „zynisch ist für Verlierer“. Die Männer, mit denen sich Halina verabredet, sind erst mal interessant, spätestens nach dem zweiten Date aber nur noch mühsam. Manchmal trifft sie sich mit Freunden und geht auf öde Parties oder an noch ödere Vernissagen. 

Ein Leben unter der Glocke. Nirgends taucht ein Hauch von Hoffnung auf, nirgends ist eine Wende in Sicht, die Heldin bleibt cool, aber von der ersten bis zur letzten Seite in ihrer Verlorenheit stecken.  „Alles franste aus.“ 

Wenn die Figur von Halina das Lebensgefühl und die Denkweise einer Generation darstellt, dann Gute Nacht. Möglich, dass unsere Gesellschaft so eine Kritik verdient. Möglich auch, dass eine ganze Generation so durch ihr junges Erwachsenenleben irrt. Eine Generation, der alle Türen offenstehen, die aber vor lauter Auswahl und Gutgehen keine Orientierung und keinen Halt findet.

Was mir in diesem Buch fehlt ist Mut zur Hoffnung. Ein Ansatz würde genügen. Eine Heldin, die etwas bewegen möchte, die vielleicht an ihrer Aufgabe scheitert, aber eine, die sich aufrappelt, aus Fehlern lernen will. Sarkasmus als Antwort auf den Widersinn des Lebens ist mir zu wenig. 

Titel: Böse Delphine,  Roman, 190 Seiten, gebunden

Autorin: Julia Kohli

Verlag: Lenos Verlag, Basel http://www.lenos.ch

ISBN 978-3-85787-496-3, Fr. 27.50.-/Euro 22.-

Kurzbeschrieb/-bewertung: Die Geschichtsstudentin Halina lebt in Zürich und jobt im Flughafenkiosk. Sie analysiert, kritisiert; „angesagte“ Künstler, Vernissagen und Parties dienen der Ablenkung. Ihr eigenes Dasein entgeht Halinas ironisch-kritischem Blick nicht. Ein Zeitbild oder ein Zerrbild oder beides?

Für wen: Da ich kein Stadtmensch bin und dieses Was-soll-das-Ganze-Lebensgefühl nicht verstehe, gibt es diesmal keine Empfehlung. Ich wäre aber gespannt darauf, was andere Leser über diese Story zu sagen hätten.

Arm und reich in Zürich, ein Kriegswinter in Österreich sowie viel „Dramma“ in Neuseeland

Heute stelle ich drei Bücher vor, die nicht unterschiedlicher sein könnten:

Zuerst ein Einblick in das Leben einer Frau aus der Zürcher Agglomeration, auf den ersten Blick der gepflegte Vorstadttyp, der einem beim Einkaufen in der Boutique oder beim Kirchenkaffee begegnen könnte. Der Anschein trügt. Eine Biographie? Ja, aber noch etwas mehr.

Der zweite Beitrag spielt am Mondsee. Autor ist Arno Geiger. Eine Liebesgeschichte? Ja das auch, doch vor allem das Überleben von Menschen im Krieg.

Das dritte Buch, gleichfalls ein Roman, macht den Sprung nach Neuseeland. Von allem etwas: Krimi, Leidenschaft, Geschichte, Touristik. Bin ich begeistert? Nö!

Wider die Bequemlichkeit

Hélène Vuille ist keine Romanheldin, obgleich ihr Leben genügend Tragik und unverhoffte Wendungen aufweist. Es mag an diesen schicksalhaften Erlebnissen liegen, an ihrer Erziehung oder an ihrem Charakter: Sie ist jedenfalls eine Frau, die uns als Vorbild dienen sollte. Jemand der gibt, anstatt nur zu nehmen. Wo wir gelernt haben weiterzueilen und Ausflüchte zu finden, dort schaut sie hin und dort handelt sie. Bei ihr wird der Tropfen auf den heißen Stein, den wir so gerne zitieren, wenn es darum ginge, etwas zum Besseren zu verändern, zu einem Bach, einem Fluss. Weshalb sollen Nussgipfel, Berliner oder belegte Brötchen, die noch genießbar sind, abends in den Müllcontainern landen? Gibt es nicht genügend Menschen auch bei uns, die sich solche Köstlichkeiten nicht leisten können? Hélène Vuille hat den Kampf gegen Lebensmittel-Verschwendung aufgenommen und dank ihrer Energie und ihrer Zähigkeit manch einen zum Umdenken bewegt.

Dies aber ist nur eine Seite dieser starken Frau. Hélène Vuille verteilt nicht nur Lebensmittel, die ansonsten auf dem Müll landen würden, sie begegnet bei dieser Arbeit auch Menschen, die sonst von niemanden beachtet werden: Süchtigen, psychisch Kranken, Geschlagenen, Straffälligen. Sie hört ihnen zu, schreibt ihre Geschichten auf. Einige dieser Lebensberichte sind in der Brückenbauerin versammelt. Beim Lesen dieser ansonsten ungehörten Stimmen beginnt sich nach und nach etwas im Leser zu ändern. Es wächst die eigentlich selbstverständliche Erkenntnis, dass ein jeder das Bedürfnis und das Recht hat, als Mensch erkannt zu werden.

Die Brückenbauerin schafft es tatsächlich, die Leser an einem Punkt anzustupfen, wo er es lieber etwas bequem hätte. Ich habe mir vorgenommen, bei der nächsten Busfahrt, beim nächsten Parkbesuch, beim nächsten Stadtrundgang einmal jemandem ein Lächeln oder ein wenig Zeit zu widmen, dem ich bis anhin noch nicht einmal einen zweiten Blick geschenkt hätte.

Buch: Die Brückenbauerin, Paperback

Autor: Helene Arnet, mit Geschichten von Hélène Vuille

Verlag: WörterSeh, 2016, https://www.woerterseh.ch/

Kurzbewertung: Einerseits Biographie einer sogenannten Nervensäge, sprich einer Frau, die Unrecht sieht, sich empört und dann das tut, was in solchen Momenten alle tun sollten: sie handelt menschlich. Anderseits Lebensberichte von Menschen, denen selten jemand zuhört und die immer mal wieder „abrutschen“.

Für wen: Für alle, die ab und zu das Bedürfnis verspüren, den Blickwinkel zu ändern, um vielleicht ein besserer Mensch zu werden.

Wenn das Überleben das Ziel ist, stirbt dann der Mensch?

Bücher, die sich mit der Zweiten Weltkrieg auseinandersetzen, sind zahlreich. Unvergessen und immer noch lesenswert Gruppenbild mit Dame von Böll, ebenfalls  Siegfried Lenz, zum Beispiel Der Überläufer.

Das Thema beschäftigt zu Recht immer noch, obwohl die Generation der Direktbetroffenen ausstirbt. Krieg ist aber immer ein Langzeitschaden, seine Auswirkungen betreffen sämtliche nachfolgenden Generationen. (Dies sollten sich mal all jene hinter die Ohren schreiben, die uns andauernd mit Bombentests und gehässigen, fahrlässigen, und obendrein dümmlichen Wortbombardements und Beleidigungen auf die Nerven gehen.)

Arno Geiger hat mit Unter der Drachenwand einen neuen Roman vorgelegt, der sich mit dem Leid der Menschen in Kriegszeiten befasst. Was machen der Krieg und die dazugehörige Parolendrescherei und Gleichschalterei mit dem Einzelnen? Wie gelingt es, dem allgemeinen Wahnsinn zu trotzen? Ist innerer und äusserer Widerstand möglich und wenn ja, mit welchen Konsequenzen.

Wir lernen den jungen Wiener Soldaten Veit Kolbe kennen, dem durch die Einziehung ins Regiment seine Jugend geraubt wird. Er erkennt, dass seine Zukunftspläne im Morast von Schützenstellungen stecken geblieben sind. Auf Erholungsurlaub am Mondsee lernt er die Deutsche Margot kennen. Etwas Zuversicht keimt auf, irgendwann wenn sich die Kriegsmaschinerie ausgetobt hat wird wieder etwas möglich sein. So beginnt der Roman mit dem Satz „ Im Himmel, ganz oben konnte ich einige ziehende Wolken erkennen, und da begriff ich, ich hatte überlebt.“

Die Geschichte spielt grossteils im ländlichen Mondsee. Hier lebt es sich vergleichsweise ruhig und sicher. Doch der Krieg hat lange Arme, keiner kommt gänzlich darum herum, Stellung zu den Geschehnissen zu nehmen. Der Polizist und Onkel von Veit steckt so gut es geht den Kopf in den Sand und leistet „Dienst nach Vorschrift“. Veits Zimmerwirtin schlägt mit Nazi-Parolen um sich und flüchtet in den Wahnsinn. Die Lehrerin vom Landverschicktenlager dressiert ihre Schutzbefohlenen zu marschierenden arischen Musterbeispielen. Wer irgend kann, verdunkelt die Fenster, hält still und beobachtet die Lage am Himmel, wo täglich die Geschwader des Feindes gegen Wien ziehen. Es ist Winter 1944 – die eigene Armee ist geschlagen, ganz egal, was die Kriegsberichterstattung erzählt. Im ganzen Dorf ist der Brasilianer der einzige, der sagt, was er denkt. Das hätte er mal besser sein lassen, sagen die Leute im Dorf.

Arno Geiger ist ein experimentierfreudiger Autor; seine Geschichten sind, als würde einer das Romaneschreiben jedesmal neu erfinden. In Unter der Drachenwand hat der Autor Briefauszüge zwischen die Erlebnisberichte von Veit Kolbe und anderer Protagonisten eingestreut. Da klingt oftmals jene bemühte Heiterkeit durch, mit der die Menschen versuchten, einander das Leben nicht noch schwerer zu machen, als es ohnehin schon ist. Gerade aus ihr spricht umso lauter die Verzweiflung, denn trotz allem nationalsozialistischen Geschwafel war doch jeder auf sich alleingestellt. Arno Geiger hat als Inspirationsquelle auf Briefe von Landverschickten zurückgreifen können. Sie geben der Geschichte einen Originalton, der einen leer schlucken lässt.

 

Buch: Unter der Drachenwand, Roman gebunden

Autor: Arno Geiger

Verlag: Hanser, 2018, https://www.hanser.de

Kurzbewertung: Liebe in Zeiten des Krieges. Das Menschliche, Allzumenschliche und vor allem das Unmenschliche des Krieges, eingepackt zwischen zwei Buchdeckel. Dieses Buch gehört in jede Bibliothek.

Neuseeland für blutige Anfänger

Unter fernen Himmeln nennt sich Sarah Larks Roman, ein Titel so nichtssagend, dass er Schlimmes befürchten lässt. Leider trifft genau dies ein. Die Geschichte spielt zwischen Hamburg und Neuseeland. Die Journalistin Stephanie fliegt nach Neuseeland. Ihr Ziel ist es, Recherchen für einen lange zurückliegenden Mordfall zu tätigen und gleichzeitig herauszufinden, weshalb sie sich an ihre ersten sechs Lebensjahre, die sie auf Neuseeland verbrachte, nicht erinnern kann. Nun ist nicht ganz ungewöhnlich, dass man sich an seine Kleinkindjahre nicht erinnert. In diesem Roman aber wird genau diese normale Sache zur Abnormität erklärt und zur Triebfeder der ganzen Story. Und siehe da: Stephanie war bei dem grässlichen Mordfall, den sie untersuchen soll, selber als Zeugin dabei. Überhaupt spielt der Zufall in diesem Roman eine Hauptrolle, so dass sich selbst Stephanie und ihr Freund Rick über so viele Zufälligkeiten verwundert die Augen reiben. Natürlich kommt auch noch ein sexuell ansprechender junger Maori namens Weru ins Spiel, und Stephanie fängt an, in den höchsten Tönen für ihr Geburtsland zu schwärmen, was angesichts ihrer Reise kreuz und quer durchs Land auch nicht verwundert, schließlich klappert sie zusammen mit ihrem faszinierenden Maori-Krieger sämtliche touristischen und anderen Höhepunkte ab. Dass sie am Ende „heim in die Arme“ ihres Rick kehrt und damit zurück unter den Himmel von Hamburg, dürfen wir aber erwarten. Und gottseidank hat sie jetzt ihre gesamte Erinnerung beieinander, so dass ihrem Glück nichts mehr im Wege stehen dürfte.

Wäre da nicht noch die abenteuerliche und berührende Geschichte von Marama, einer Maori, die im 18. Jahrhundert lebte, man würde dieses Buch sicher nach wenigen Seiten unter freien Himmeln auf einer Parkbank aussetzen. Dank Maramas Tagebuch erfährt man immerhin ein wenig über die problematische Beziehung der eingewanderten zur indigenen Bevölkerung. Dabei kommen die weissen Einwanderer, die pakeha, in keiner Beziehung gut weg: Sie werden borniert dargestellt, brutal, auf ihren eigenen Vorteil bedacht und teilweise so dumm, dass es wehtun müsste, während die Maori fast durchwegs klug, edel und gut sind. Trotz solcher Klischees wird deutlich, wie heftig auch in Neuseeland die Ansprüche von zwei Gesellschaften aufeinandertrafen, die unterschiedlicher nicht sein konnten.

 

Buch: Unter fernen Himmeln, Roman gebunden

Autor: Sarah Lark

Verlag: Lübbe, 2016, https://www.luebbe.de/

Kurzbewertung: Anspruchsloser, nicht besonders packender „Roadmovie“ über eine Journalistin auf der Suche nach ihrer Kindheit in Neuseeland. Etwas Sex, etwas Mord und jede Menge künstlich aufgebauschte Dramatik ist auch dabei. Eingepackt in diese Story der abenteuerhafte Lebensbericht von Marama, einer Maori-Prinzessin des 19. Jahrhunderts. Die Erlebnisse dieser Figur machen das Buch erst lesbar, allerdings gibt es zur Geschichte der Maori auf Neuseeland sicher Besseres und weniger Abgedroschenes.

Für wen: am ehesten noch als Strandlektüre denkbar.