Einmal starke Schultern, s’il vous plait

Zwar ist gerade Zuhausebleiben angesagt, aber reisen kann ich ja trotzdem. Diesmal nach Paris und zwar mit Serge Joncour. Sein Roman, erschienen bei Secession, trägt den Titel Lehn dich an mich; und ja, es ist eine Liebesgeschichte, eine Amour fou. Eine, von der man bis zum Schluss nicht weiss, ob sich die beiden nun kriegen oder nicht. 

Stellt Euch ein Pariser Wohnhaus vor. Im vorderen Flügel, wunderbar hergerichtet, wohnen elegante, vermögende Leute. Ein paar dieser Wohnungen stehen oft leer, weil sie entweder als Vermögensanlage dienen oder wochenweise an Paris-Reisende vermietet werden. Im anderen, schäbigen Hausteil hausen jene, die ihr Leben bescheidener fristen müssen: Alte, Angestellte. Unter ihnen der Schuldeneintreiber Ludovic. Ihn hat es von der tiefsten Provinz in die Hauptstadt verschlagen. Ludovic ist gross, kräftig gebaut, beeindruckend. Meist ist er ein sanftmütiger, besonnener Riese. Dieser Koloss von Mensch trifft nun auf Aurore, die Modedesignerin. Sie dürfen raten. Richtig! Aurore ist das, was wir uns unter einer typischen Pariserin vorstellen: zart, elegant, ein wenig herablassend und erfolgreich im Beruf, daneben Mutter, Gattin eines noch erfolgreicheren Anwalts.  Doch auch hier trügt der Schein. Aurores wohlgestaltete Welt bekommt gerade ziemliche Sprünge.

Gut gibt es in Paris, sobald man die Eingangstüre der Wohnhäuser dank eines Zugangscodes überwunden hat, die Briefkastenräume, sonst würden nämlich Ludovic und Aurore nie aufeinandertreffen. Es braucht aber auch noch zwei Raben, die sich im Baum des Innenhofs eingenistet haben, damit die beiden ungleichen Menschen überhaupt miteinander ins Gespräch kommen. Gottlob weiss Ludovic, wie aus zwei Raben zwei Tauben werden. 

Die Anziehungskraft zwischen Ludovic und Aurore ist stark. Das liegt an ihrer beidseitigen Einsamkeit. Ludovic hat in Paris nur seine ungeliebte Arbeit und abends das Fernsehprogramm. Aurore wiederum droht ihr Geschäft zu entgleiten. Sind Aurore und Ludovic beisammen, stärken sie sich gegenseitig – sobald sie auseinander sind, kommen Zweifel auf und alles scheint auseinanderzudriften.

Serge Joncour führt uns Leser in ständigem Wechsel in die Gedankenwelten und in den Alltag von Aurore und Ludovic. Beide auf der Suche nach Rettung: andere, sich selbst, die Firma, die Selbstachtung. Ein ständiger, spannender Kampf, den uns Joncour da beschreibt. Gleichzeitig bewegen wir uns mit Aurore und Ludovic durch Paris: Hier die Geschäftswelt, kalkuliert, kühl durchgestylt, die eleganten Boulevards, den Bois de Boulogne, Kaffeehäuser. Dort das Paris der kleinen Leute, ihre Sorgen, die Hochhaussiedlungen an den Rändern der Stadt, die Verkehrsstaus, die Hektik. Und wir besuchen mit Ludovic auf der Suche nach einer neuen Hose einen Monoprix. 

„Es war nicht zum Aushalten, zumal er in diesem Augenblick merkte, dass selbst seine Unterhose nicht passte, viel zu altmodisch war, im Regal gegenüber gab es allerlei figurbetonte Boxershorts verschiedenster Marken, aber nur Boxershorts, als verstünde es sich von selbst, dass jeder männliche Städter seinen kleinen Alltagskampf austragen müsse. Eine der Verkäuferinnen kam mit einer Baumwolljogginghose zurück …“

Wer bei solch einer Szene nicht schmunzeln muss, sollte wirklich ganz und gar zu Hause bleiben und sich die Croissants liefern lassen.

Titel: Lehn dich an mich, Roman, 366 Seiten, gebunden

Originaltitel: Repose-toi sur moi, 2016

Autor: Serge Joncour, Übersetzung aus dem Französischen von Paul Sourzac

Verlag: Secession Zürich, 2019, http://www.secession-verlag.com

ISBN 978-3-906910-64-2, Fr. 32.- / Euro 24.-

Kurzbeschrieb/-bewertung: Zwei Menschen, denen es den Teppich unter den Füssen wegzieht, Liebe über Gesellschaftsgrenzen hinweg, Intrigen, etwas Sex und etwas Gewalt, Paris – und das alles in einem Buch. So spannend und fliessend erzählt, dass man dabeibleiben möchte, bis zum vielleicht bitteren Ende.

Für wen: Für alle, die sich nicht von Frankreich und der grand amour fernhalten lassen.

„Monsieur Hamil, kann man ohne Liebe leben?“

Nachdem ich Die Jagd nach dem Blau gelesen hatte, war klar, noch ein weiteres der Bücher von Romain Gary aufzuschlagen. Diesmal das 2018 neu bei Rotpunkt aufgelegte Du hast das Leben vor dir. Für diesen Roman über die Beziehung eines elternlosen Araberjungen zur kranken, alten Madame Rosa gewann Gary 1975 zum zweiten Mal den Prix Concourt, was damals einen Skandal auslöste. Gary hatte den Roman unter dem Pseudonym Émile Ajar veröffentlicht. Der Preis kann aber gemäss Statuten nur einmal an eine Person verliehen werden.

Die Geschichte spielt in den Sechziger-, Siebzigerjahren in Paris Belleville. Momo, ein Araberbub, ist im Alter von drei Jahren zu Madame Rosa gekommen. Madame Rosa ist Jüdin und ehemalige Prostituierte, die sich jetzt mit dem Grossziehen und Weitervermitteln von Hurenkindern durchschlägt. Doch mit Madame Rosa geht es rasant abwärts. Ihre Organe sind alle von schlechter Qualität, ihre Beine tragen sie nicht mehr, in ihrem Kopf wird bald nur noch Grünzeug sein. Momo muss schnell erwachsen werden. In Belleville wohnen Menschen aller Hautfarben und Religionen, die meisten schlagen sich irgendwie durch. Momo versucht, sich und seine „Wohngemeinschaft“ gegen alle Widerstände zu verteidigen.

Zum einen ist dies die erschütternde Geschichte einer Kindheit, in der nichts so ist, wie es sein sollte. 

Es ist auch ein Buch über den Zusammenhalt der Elenden. In diesem Quartier, wo jeder existenzielle Sorgen hat, erkennt jeder auch die Not der anderen; man hilft sich gegenseitig so gut es geht. 

Es ist aber auch eine Geschichte über das Wunder der Imagination. Momo bietet immer dann seine ganze Vorstellungskraft auf, wenn das Leben über ihm einzustürzen droht. Eine Löwin schleckt ihm das Gesicht, damit er einschlafen kann; ein mächtiger Polizist macht ihn unangreifbar; ein Schirm ist sein Kumpel. 

Romain Gary hat für diesen Roman den Tonfall eines überdrehten Teenagers gewählt. Oder den Tonfall eines Jugendlichen, der abgebrüht wirken muss, in dem aber noch das Herz eines Kindes klopft. Allerdings ein Kind, das früh gelernt hat, dass das Glück ein Betrüger ist. Momo erzählt seine Geschichte selber. Er beobachtet und macht sich seinen Reim auf die Dinge, die er nicht versteht. Seine sprachlichen Möglichkeiten sind eingeschränkt, auch grob, denn seine Bildung hat er sich zwischen Prostituierten, Zuhältern, Dieben und Sans Papiers geholt. Und bei Monsieur Hamil, der „wenn er nicht sein ganzes Leben lang Teppichhändler in ganz Frankreich gewesen wär, wär er etwas sehr Gutes gewesen, vielleicht hätte er sogar selber auf so einem fliegenden Teppich gesessen, von Fischen gezogen, wie dieser andre Heilige aus dem Maghreb da, Sidi Ouali Dada.“

Gary hat auch in diesem Buch eine Handvoll Romanfiguren geschaffen, wie sie eigentlich nur das Leben erfinden kann, so schräg, widerspruchsvoll, lebensklug, witzig, leidenschaftlich und verrückt. 

Beim Lesen hätte ich mir allerdings gewünscht, die französische Ausgabe neben mir liegen zu haben. Des öfteren hatte ich den Eindruck, dass die neue deutsche Übersetzung von Christoph Roeber dem Originaltext nicht gerecht geworden ist. Ein 1:1-Vergleich brächte Klarheit und wäre gewiss spannend. 

Titel: Du hast das Leben vor dir, Roman, 242 Seiten, gebunden, Originaltitel: La vie devant soi, 1975

Autor: Romain Gary (Émile Ajar), Übersetzung aus dem Französischen von Christoph Roeber

Verlag: Rotpunktverlag 2018, http://www.rotpunktverlag.ch

ISBN 978-3-85869-761-5, Fr. 28.-/Euro 24.-

Kurzbeschrieb/-bewertung: Tragische, berührende Geschichte einer Kindheit in Paris. Momo lebt als Araber und Kind einer Hure unter Juden, Afrikanern und anderen Aussenseitern. Er und seine Ziehmutter Rosa sind aufeinander angewiesen. Humorvolles verbindet sich mit Strassenphilosophie, kleine Fluchten wechseln sich ab mit nackten Tatsachen. 

Für wen: Für alle vom Glück gesegneten, die auch mal einen Blick über jenen Lattenzaun werfen wollen, der die Habenichtse von den Glückseligen trennt.

Paris, wie gut das riecht!

Paris, wie gut das riecht! So ein Satz wird natürlich nicht widerspruchslos hingenommen, denn Paris ist eine Metropole. Mehr als 12 Millionen Menschen: Da kommt schon einiges an Odeurs zusammen. Und trotzdem sei es wiederholt: Paris ist ganz schön dufte. Vor allem jetzt im Mai. Die Rede ist von Robinien, Linden, Rosen, von Holunder, Pfingstrosen und anderen Gewächsen, die recht grosszügig ihre Duftmoleküle an die Pariser Luft verschwenden.

Wer jetzt nach Paris reist und findet, der Eiffelturm sei das letzte Mal schon ähnlich hoch gewesen, die Galerie Lafayette definitiv zu touristisch und eine Seine-Fahrt müsse gerade nicht sein, dem sei dieses Büchlein empfohlen: Parcs et Jardins de Paris à pied

Paris hält etwas auf seine Parks, in denen um diese Jahreszeit alles grünt und blüht. Wer gerade jetzt nach Frankreich reist und findet, im Frühsommer sei Paris am schönsten, liegt bestimmt richtig. Jetzt wird überall gehakt und gepflanzt, gedüngt, geschnitten, ausgebessert, geharkt und was die Stadtgärtner sonst noch so alles zu tun pflegen. Man kann sie durchaus fragen, sie sind für ein kleines Gespräch gerne zu haben.

Oben erwähntes Büchlein wurde von der Mairie de Paris herausgegeben und beschreibt 23 Wandertouren durch die Stadt, durch unbekannte Strassen, vorbei an versteckten Winkeln und durch die schönsten Parkanlagen. Da kommt ein Tourist schon mal ins Staunen, wenn er hinter der Basilique du Sacré-Coeur an einem Weinberg vorbeispaziert. Dies ist mitnichten der einzige in der Stadt. Im Park von Bercy, dort wo früher die Weinhändler ihre Fässer lagerten, werden ebenfalls Reben gepflegt, gleichfalls in den Parks von Belleville, La Villette, Georges-Brassens. Einen Weinberg in einer besonders malerischen Ecke der Stadt namens Butte Bergeyre gibt es im 19. Arrondissement, nahe des Parcs Buttes-Chaumont. Zehn Rebflächen soll es insgesamt geben. Und dies in einer Stadt, wo die Quadratmeterpreise für Wohnungen in schwindelerregende Höhen klettern und man für ein Einzimmerappartement auch mal eine Million oder mehr hinblättert. Kommt natürlich auf die Lage und die Aussicht an.

Nahe der Place des Vosges existiert im Versteckten eine kleine Gartenanlage im französischen Stil, in den Rabatten blühen Rosen und verströmen sommerliche Nostalgie. Hier trifft man auf ruhende Damen und Grossväter, die ihren Enkeln vorlesen. Wo das ist, wird hier nicht verraten, wer aber die Rue des Arquebusiers findet, dürfte auch dieses stille Kleinod entdecken.

Wer als Pariser weder Lage, noch Aussicht, noch einen Balkon hat, aber die Nase gestrichen voll von der engen Wohnung und den Abgasen, begibt sich in den Park. Wie begehrt die Plätze auf der Wiese sein können, zeigt sich an einem Pfingstsonntag auf der Place des Vosges. Die Kulisse dieses Gesamtkunstwerkes ist zugegeben zum Niederknien. Allzuviel Raum darf hier aber keiner beanspruchen, was aber niemandem etwas auszumachen scheint. Man liegt Kopf an Fuss, palavert, giesst sich Wein oder gleich Champagner in die mitgebrachten Gläser, Kinder hüpfen, Studenten studieren oder küssen sich. Die gesetzteren Herrschaften halten es eher mit einem Bankplätzchen, so sie denn eines ergattern können. Alles total entspannt.

Ist man schon einmal in der Nähe der Bastille und mag noch einige Kilometer wandern, so ist La Promenade Plantée ein Muss. Der Weg führt entlang der Avenue Daumesnil, aber nicht auf Ebene der Strasse, sondern in luftiger Höhe. Das gibt Gelegenheit, einen neugierigen Blick in eine Pariser Wohnung im dritten Stock zu werfen. Muss aber nicht sein, rechter Hand liegt der Gare de Lyon mit seinem Jugendstilbahnhofbuffet, und wem das zu wenig spannend ist, der hat mit der langgestreckten Gartenanlage, die sich immer wieder weitet und verengt, genug zu schauen. Hier führte einst eine Bahn von der Bastille bis Varenne-Saint-Maur. 1988 hat die Stadt die Gelegenheit beim Schopf gepackt und anstelle der aufgehobenen Bahnlinie einen nur wenige Meter breiten Park gestaltet. Unter den Bahnarkaden haben sich Handwerker eingemietet. Das braucht den Flaneur aber nicht zu kümmern, vielmehr sollte er links und rechts geniessen, was so alles blüht und duftet. Es gibt anmutige Rosenstöcke zuhauf, oftmals romantische, gefüllte Kletterrosen in fetten Büscheln, Wasserbecken, Lauben. Hat man Reuilly erreicht, kann man wieder zurückspazieren, es macht aber durchaus Freude, geradeaus weiterzugehen, durch den Park von Reuilly, weiter durch die Allee Vivaldi, dann durch die mit Wasserfällen ausgestattete Unterführung und geradeaus durch eine lange schattige Senke. Auch hier führte einst eine Bahnlinie entlang, heute führen die Anwohner ihre Hunde aus, ihre Fahrräder oder einfach nur sich selber. 

Wenn die Pariser es wildromantisch wollen, gehen sie in den Parc des Buttes-Chaumont. Buttes werden hier die Stadthügel genannt. Der Parc Buttes-Chaumont bietet, da er in einer Felslandschaft und durch das Bewegen von jeder Menge Material angelegt wurde, zwei Aussichtspunkte. Die Gegend soll früher ziemlich wild ausgesehen und zu Zeiten der Revolution als Müllhalde gedient haben. Das war zuviel Wildnis für die sich ausbreitende Stadt; im 19. Jahrhundert plante der Ingenieur Jean-Charles Alphand das Gelände um. (Alphands Handschrift ist in mehreren Pariser Parkanlagen zu erkennen; seine Büste kann man übrigens auf dem Friedhof Père Lachaise finden.) Das Ergebnis ist heute noch einen Abstecher wert. Die Grashalden, an denen die Parkbesucher hier lagern, sind abschüssig, aber was macht das schon. Platz ist auf jeden Fall mehr als auf der Place des Vosges. Und weil die Wege auf- und abführen, mal an einem Teich vorbei, dann über Brücken, unter einer Felsengrotte hindurch, trifft sich Paris hier auch zum Joggen. Stört aber keinen. Sport ist so oder so angesagt; einige Parks verfügen über frei zugängliche Trainingsgeräte.

Ebenfalls eine herrliche Sache ist eben jener Park in Bercy, von dem schon wegen der Reben die Rede war. Es ist eine der neueren Parkanlagen in Paris und liegt direkt am rechten Ufer der Seine, getrennt allerdings durch den Quai de Bercy. 13 Hektaren umfasst der Park und bietet einfach alles, was man sich so wünschen kann, einschliesslich eines Aussichtspunkts über die Seine auf die Nationalbibliothek. Gut, die dürfte unter den Sehenswürdigkeiten der Stadt keinen Kultstatus erlangen, also zurück zum Garten mit seinen Themengärten, Teichen, Baumalleen und Freizeitanlagen. Im Maison de Giardinage kann sich jeder melden, der in der Stadt einen kleinen Garten für sich pflegen möchte. Da trifft man dann plötzlich auf Menschen, die mit einer Giesskanne in der Hand unter einem Strassenbaum eine Geranie, eine Nelke oder sonst irgendein Grünzeugs wässert, das zuvor sorgfältig mit einem Zaun vor rücksichtslosen Fussgängern, Hunden und Motorrädern geschützt wurde. Gegen weggeworfene Zigarettenstummel hilft allerdings kein Zaun, aber die tapferen Stadtgärtner hängen Täfelchen oder gar Aschenbecher an die Latten. Die Aktion der Stadt scheint nur begrenzt erfolgreich zu sein, denn wer nach solchen Miniaturparkanlagen sucht, findet auch solche, die verlassen wurden, wo sich die Abfälle und die Zigarettenstummel häufen und nichts mehr grünt, als ein einzelnes hartnäckiges Unkraut.

Nase auf und durch

Dort wo es früher einmal nach Eau de Javel roch und später nach nigelnagelneuen Deux Chevaux liegt heute eine der schönsten modernen Parkanlagen, die man sich vorstellen kann: der Parc André-Citroën, direkt am linken Seine-Ufer gelegen. Wer da kein Plätzchen für sich findet, bei dem ist parkmässig Hopfen und Malz verloren. Wasserspiele, Wasserbecken, freie Rasenflächen, Parkteile, wo alles ein wenig wild vor sich hin gedeihen kann, Senk-, Themen- und Farbgärten: die Gartenbauarchitekten, die diesen Park geschaffen haben, kann man nur beglückwünschen. Bei all den verwirklichten Garten-Ideen und -stilen beeindruckt, wie gut durchkomponiert die 1992 eingeweihte Anlage wirkt. Schade nur, wenn man für seinen Besuch eine Zeit erwischt, wo in Paris das Wasser knapp ist und einzig die Fontänen in Betrieb sind. Diese sind dann aber die Hauptattraktion der Kinder. Ihr Jauchzen schallt weithin.

Das Zusammenspiel einzelner Elemente ist leider beim Parc de la Villette nicht so gut gelungen. Er erstreckt sich auf beiden Seiten des Canal de l’Ourcq. Die Nordhälfte wird dominiert durch die neuzeitlich-kühle Cité des sciences e de l’industrie, die Südhälfte durch die beeindruckende Eisenkonstruktion der Grande Halle. Das Gelände wurde früher für Viehhandel und das Schlachten der Tiere genutzt. Heute tanzt auf der Bühne vor der Halle vielleicht gerade ein Streetdancer, oder eine asiatische Frauenrunde studiert mit viel Ernst einen Schirmchentanz ein. Eröffnet wurde der Parc de la Villette in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts, ist aber nun in die Jahre gekommen. Er wartet darauf, aus dem Dornröschenschlaf geküsst zu werden. 

Weitere Parkanlagen – einmal abgesehen von denjenigen, die auf der To-do-Liste jedes Paris Besucher stehen, wie Trocadéro, Jardin des Tuileries oder Jardin du Luxembourg –, die einen Ausflug wert sind: 

Der Parc Monceau, ebenfalls eine Anlage im englischen Stil mit mächtigen Bäumen und Teich mitsamt Enten und Schildkröten. Auch hier sind die Sitzplätze begehrt, vor allem in der Mittagspause. Der Bois de Boulogne bietet sich für eine Fahrradtour an oder für einen Abstecher ins Museum Louis Vuitton. Père Lachaise ist zwar ein Friedhof, aber was für einer. Er ist zugleich die größte Grünanlage der Stadt. Seine Fläche beträgt 44 Hektaren. Ohne Plan sollte man sich nur mit exzellentem Orientierungssinn hineinwagen. Und wenn man schon mal dort ist, darf man ruhig die Gräber der einen oder anderen Celebrity aufsuchen. Aber auch ohne Piaf und Molière ist Père Lachaise ein Ort zum Staunen und Wandern. Montsouris ist ein Park à l’anglaise, mit Teich, Hügeln und Musikpavillon. Wenn man Glück hat spielt gerade eine Jazzband auf.

Das Buch zum Text: Parcs et Jardins de Paris à pied, 23 Promenades Randonnées, herausgegeben von Guide FFRP/Mairie de Paris, brochiert

Place des Vosges an Pfingsten