«Aha, jetzt weiss ich was Sie kochen!»

Als ich kürzlich meinen Metzger bat, die Rindshuft in feine Tranchen zu schneiden, wollte er wissen, was ich denn damit zubereiten wolle. Auf meine Antwort «etwas Asiatisches» meinte er triumphierend: «Aha, jetzt weiss ich was sie kochen. Ramen!». Ich verneinte und erklärte, dass ich ein Rezept ausprobieren wolle, bei dem das Rindfleisch knusprig gebacken würde. Hierauf folgte ein längerer, schwärmerischer Monolog des Metzgers über seine Freude am Kochen und seiner Lust, Neues auszuprobieren.

Vielleicht sollte ich nächstens diesem Metzger das Rezept «Chrispy chili beef» vorbeibringen, das ich aus «Wok Reis Nudeln» von Jennie Walldén nachgekocht hatte. Fazit: Schlichtweg köstlich, ausserdem schön anzuschauen, so dass man es ohne weiteres Gästen auftischen könnte. Die Zeit, die man in der Küche verbringt, hält sich, wie bei den meisten ostasiatischen Gerichten, ohnehin in Grenzen.

Jennie Walldéns Kochbuch vereinigt Speisen aus ganz Ostasien: Koreanisches Bulgogi oder Bibimbap, japanischer Curry (doch, doch, das gibt es offensichtlich), chinesische Nudelgerichte, thailändisches Laab Gai usw. Die Reiselust kommt mit dem Nachkochen und Essen, soviel sei versprochen.

Wenn ich ein Kochbuch bespreche, so lasse ich meist meinen Liebsten ein paar Rezepte heraussuchen, die ich dann nachkoche. So gerate ich nicht in Versuchung, mir jene rauszupicken, die mein Auge schnell als «gelingt todsicher» abgecheckt hat. «Chrispy chili beef» hätte ich allein schon deshalb nicht gewählt, weil das Ausbacken des Fleisches in Öl nach sehr vielen Kalorien tönt. Was aber wäre mir da entgangen!

Überrascht haben mich auch die anderen getesteten Rezepte. Der «knusprige Tofu mit Cashews» könnte jeden Tofumuffel bekehren. Ehrenwort! Die «Kantonesische Nudelsuppe mit Wantans» werde ich sicher zu meinen beliebtesten Rezepten hinzufügen. Die Wantans selber zu machen, war übrigens keine Hexerei. Im Asialaden gibt es Wantanteig in der richtigen Grösse, die Füllung ist schnell gemacht, und wenn man gerade dabei ist, lohnt es sich, eine grössere Menge zu machen und einzufrieren. Eine Mahlzeit, die im Hui auf dem Tisch ist und richtig gut schmeckt wäre «Rice Bowl mit Lachs und Wasabi-Mayonnaise»: Wer Sushi mag, wird damit bestimmt glücklich. Der Aufwand und die Ansprüche an die Köchin sind allerdings bedeutend geringer.

Überhaupt sind die Rezepte von Walldén wunderbar einfach. Wir haben es hier mit einer Kochbuchautorin zu tun, die auf die Bedürfnisse ihrer Leserschaft Rücksicht nimmt: die benötigten Produkte haben Sie entweder schon zu Hause, oder man bekommet sie in einem gut sortierten Supermarkt oder im Asiaschop. Walldén hat aber auch Vorschläge, wenn man mal bei einer Zutat nicht fündig wird. So schlägt sie bei der «Rice Bowl mit Lachs» vor, Minze und Oregano zu nehmen, wenn keine Shisoblätter erhältlich sind. Ich habe es so gemacht und festgestellt, dass Minze und Oregano wunderbar zu rohem Lachs passen. Die Autorin scheut auch nicht davor zurück, gekonnt und in Massen Fertigsaucen (z.B Srirachasauce) einzusetzen. Ebenfalls macht sie Vorschläge, wenn es darum geht, vegetarisch zu kochen oder Fleisch zu ersetzen. Sehr nützlich fand ich auch ihren kleinen Überblick über die diversen Reis- und Nudelsorten, die in Asien eingesetzt werden.

Titel: Wok Reis Nudeln, 164 Seiten

Autorin: Jennie Walldén 

Verlag:  AT Verlag, www.at-verlag.ch, Aarau 2022

ISBN 978-3-03902-1574, Fr. 29.90/ Euro 25.00

Kurzbeschrieb/-bewertung: Asiatische Strassenküche geht auch zu Hause. Wok hervorgeholt und los geht’s. Jennie Waldéns Rezepte schmecken so, wie vom Stand in Bangkok oder der kleinen Kneipe in Tokio oder Seoul. Und sind erst noch im Nu auf dem Tisch. 

Für wen: All jene, die gerne mal die Stäbchen schwingen.

Veröffentlicht von

Jolanda Fäh

Journalistin, Autorin, Lektorin, Herausgeberin

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