Sophie weiss was sie will und kann

Umriss der Stille nennt sich die Romanbiographie von Margret Greiner im Untertitel.

Die Autorin nähert sich in diesem Buch einer Frau an, deren Namen nachklingt, deren Konterfei wir lange im Portemonnaie als 50er-Note mit uns trugen, deren Leben jedoch tatsächlich in einem Kreis von selbst geschaffener Stille stattgefunden zu haben scheint. Sophie Taeuber-Arp, so talentiert sie auf verschiedenen Gebieten war, so zurückhaltend scheint sie als Person gewesen zu sein. Keineswegs scheu, eher fokussiert und geradeheraus, so wie jemand, der weiss, wo es sich lohnt Energie hineinzustecken. Ich würde sie nach der Lektüre dieses Buches als Schafferin beschreiben, unverstellt für neue Strömungen, immer dabei, wenn es um die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ging, allen voran mit ihrem Ehemann Jean Arp.

Inwieweit eine Romanbiographie dem echten Menschen gerecht wird, diese Frage stellt sich natürlich. Margret Greiner hat für dieses Buch Briefe und Originalwerke gesichtet und sich auch in eine Ladung Sekundärliteratur vertieft. Letztlich ist eine vorsichtige Umrundung entstanden, die in sich stimmig ist. Sophie Taeuber-Arp erscheint uns als ernst und lebensbejahend, konsequent und mutig in der Haltung und in ihrer Arbeit, verständnisvoll, grosszügig, sanftmütig, auch nachgiebig, wenn es um ihre Beziehung zu Jean Arp geht, immer wieder bereit für Neues und hin und wieder ganz schön aufgebracht.

Sophie wuchs in der Ostschweiz auf dem Lande auf. Da hat man für Eitelkeiten wenig übrig. Die Umgebung ihrer Kindeheit dürfte sie ebenso geerdet haben, wie ihr familiäres Umfeld und der frühe Verlust der Eltern. Herausforderungen waren da, gemeistert zu werden. Talente galt es zu fördern und auszuloten.

Nach Studienzeiten in St.Gallen, München kam die junge Sophie nach Zürich, begegnete Arp und seinen Freunden, fühlte sich im Kreise der Dadaisten und Konstruktivisten zu Hause. Sophie stickte, malte, formte, tanzte, gestaltete und bestritt ihr Leben – und grossteils auch das ihres Ehemannes. Kreis, Dreieck, Viereck: Damit liess sich einiges anstellen. Eigentlich alles.

Die Apps bewegten sich an den Hotspots der damaligen Zeit: München, Wien, Zürich, Paris. Die Namen jender Menschen, zu denen sie Kontakt und Freundschaften pflegten, klingt wie das Who is who dieses neuen Jahrhunderts, das ungeheuerliche Neuerungen versprach und Umwälzungen brachte: Wassiliy Kandinsky, Peggy Guggenheim, Max Bill, Paul Éluard, Hugo Ball.

Es war so viel im Gange in jenen Jahrzehnten vor und nach dem Ersten Weltkrieg. Frauen traten aus dem Schatten der Männer, so sie sich denn getrauten und unverbrüchlich an sich glaubten. Sophie Taeuber war eine von ihnen und allein das macht sie zu einem Vorbild.

Titel: Sophie Taeuber-Arp, Der Umriss der Stille, Romanbiographie, gebunden, 240 Seiten

Autorin: Margret Greiner

Verlag: Zytglogge, 2018, ISBN 978-3-7296-5002-2, Fr. 32.–/Euro 29.­

Kurzbewertung: Informative und locker zu lesende Romanbiographie einer grossen Künstlerin, Mitbegründerin der Dada-Bewegung, Malerin, Tänzerin, Kunsthandwerkerin, Professorin, Innenarchitektin etc., ergänzt durch einige Fotos

Für wen: Das müsste eigentlich alle interessieren: Eine Frau, noch dazu Schweizerin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts unbeirrt ihren Weg geht und als Künstlerin international Erfolge feiert und so ganz nebenher gleichwertige Partnerin ihres ebenfalls künstlerisch tätigen Ehemanns ist.

Veröffentlicht von

Jolanda Fäh

Journalistin, Autorin, Lektorin, Herausgeberin

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